Die Seidenstraße präsentiert von www.KunstUndSeide.de   -  neue Info-Links, Bücher & jetzt neu: "Der Kailash - der heiligste Berg der Welt" sowie  "SALZ" - von Fred Lange

Sensationeller Fund 12/2007: Shanghai: Bergungsteams haben im Südchinesischen Meer ein 800 Jahre altes Handelsschiff vom Meeresgrund gehoben. Nach Angaben der Forscher könnte der Fund die Theorie bestätigen, wonach es eine alte Seehandelsroute ähnlich der Seidenstraße gab, die China mit dem Westen verband. (Quelle: B5 aktuell)

Sven Hedin schrieb über die Seidenstraße: >Mir war als stünde ich an der Grenze eines unermeßlichen Raumes, in dem rätselhafte Welten von Ewigkeit zu Ewigkeit kreisen. Nur ein Schritt trennte mich von den Sternen, unter meinen Füßen fühlte ich, wie der Erdball, sich um seine Achse drehend, durch die Nacht des Weltenraums rollt. <


Schlägt man unter dem Stichwort Seidenstraße in einem Lexikon nach, so erfährt man: Die Seidenstraße war ein Netz von Karawanenstraßen, die seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. von China durch Zentralasien bis zum Mittelmeer und zum Schwarzen Meer führten. Hauptware dieser Handelswege war Seide (daher auch der Name), aber auch Gold, Glas, Metalle und Luxuswaren. Die Händler beritten diese Handelswege auf Kamelen und Pferden und verbreiteten über sie auch bestimmte Kulturpflanzen (Klee, Pfirsich, Mandeln ...) - und religiöse Ansichten wie den Buddhismus, den Islam und das Judentum. Und eine Legende besagt, daß eine chinesische Kaiserin eine versponnene Seidenraupe in den Tee fallen ließ, und so kam diese chinesische Kaiserin dem Seidenfaden beim Herausfischen auf die Spur.......

AKTUELL: Wüstenfestival der Toleranz! Syrien sucht den Anschluß an die internationale Welt - Weltoffenheit ist gefragt. Mit welchen Vorzügen läßt sich besser werben als mit der Geschichte des Landes. Damit lassen sich auch Vorurteile abbauen. Prachtvolle Landschaften und Städte mit grandiosen Vergangenheiten. Ein Traum für Archäologen! Syrien - Kreuzungspunkt zwischen griechischer, römischer, arabischer und fernöstlicher Kultur. Alle Karawanen, welche aus China anreisten, kamen durch Syrien - eh sie Ihre Waren bis ins alte Rom bzw. Europa verschifften. Der syrische Tourismusminister erklärte: Sogar auf dem Seeweg wurden Waren aus Japan bis an die Euphratmündung transportiert und dann einige hundert Kilometer auf den Landweg durch Syrien transportiert, bevor sie über das Mittelmehr verschifft wurden. Syrien war damals eine Art Suez-Kanal ohne Suez. Jedes Jahr seit 2002 veranstaltet Syrien jetzt das Seidenstraßenfestival. 2002 für die Königin Zenobia in Palmyra, 2003 in Aleppo, in der Stadt, in der die Karawanen aus Venedig ankamen. (Mit frdl. Genehmigung von Bayern 5 aktuell. Herzlichen Dank.)

Vorwort: Denken wir an die Seidenstraße, tut sich uns oft folgendes Bild auf: Vor dem Hintergrund des hohen Kunlun-Gebirges zieht eine Kamelkarawane mit vielen Tieren am Ufer eines Oasengewässers vorbei. Wir hören den Wüstenwind, spüren die flimmernde Hitze der Wüste und scheinen das endlose Kribbeln von kleinen Sandkörnern im Gesicht wahrzunehmen. Ist das die Seidenstraße?

Für mich ist und war die Seidenstraße und die Takla Makan schon immer mehr als nur ein Karawanenweg und eine "simple" Wüste. Die Seidenstraße und speziell die Takla Makan hat für mich etwas Mystisches und Magisches. Die Spuren, die die großen Handelstraßen und Größen wie Sven Hedin bis heute hinterlassen haben, wecken heute noch die Sehnsucht nach den Kostbarkeiten aus früheren Zeiten und nach dem Abenteuer. Aber auch nach der Stille der Wüste. Und auch nach Besinnung auf das Wesentliche:  Wasser & Sand. Wüsten machen den Geist frei und eröffnen viele andere Perspektiven - wie mir Bruno Baumann*) bei einem Gespräch erzählte.

*) Der Autor der WebSeite  www.die-Seiden-Strasse.de bei einem Gespräch mit China- , Tibet- & Wüsten-Experten Bruno Baumann. Bruno Baumann, 1955 geboren, studierte Ethnologie und Geschichte,  bereist seit Jahrzehnten den Himalaya und gilt als einer der besten Kenner Chinas, Tibets und der Wüsten Asiens. 1989 gelang ihm die Durchquerung der Takla-Makan-Wüste zu Fuß, 1994 die Durchquerung der Wüste Gobi. Als erfahrener Tibet-Kenner reiste Bruno Baumann genau 100Jahre nach Sven Hedin unzählige Male zum Kailash, dem heiligen Berg. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.Bruno-Baumann.de.


Durch viele Bücher, Karten und Berichte habe ich die Seidenstraße kennengelernt - vielleicht kann ich sie eines Tages per pedes erforschen und meinen Lebenstraum erfüllen. Folgen Sie mir jetzt zu einer imaginären Reise mit sicherlich vielen interessanten Aspekten..... 

Unter dem Begriff Seidenstraße, der vom deutschen Geologen Professor Ferdinand von Richthofen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt wurde, versteht man diejenigen Gebiete, durch die von der Mitte des 1. Jahrhunderts v.Chr. bis zum Ende der großen Tang-Dynastie zu Beginn des 10. Jahrhunderts n. Chr. Handelskarawanen von Ost nach West Güter wie z.B. Seide brachten, während in umgekehrter Richtung z.B. Glas, Gold oder Silber befördert wurden. Anzumerken sei noch, daß Richthofen nie in den Gebieten der Seidenstraße war; seine Bezeichnung jedoch hat sich eingebürgert. Nach von Richthofen ist auch ein Gebirgszug nahe Wuwei benannt.

Die Blütezeit der Seidenstraße war während der ersten Jahrhunderte nach unserer Zeitrechnung, wobei Glanzzeiten stets von der chinesischen Politik und der inneren Stabilität des Landes abhingen.

Die Seidenstraße war schon immer viel mehr als nur eine sandige Trasse, auf der Karawanen von der Türkei durch Zentralasien bis nach China zogen. Sie ist ein Symbol für exotische Kostbarkeiten, den Austausch von fremden Kulturen. Wir assoziieren bei dem Wort Seidenstrasse - Magie des Fremden, die Kostbarkeit des Seltenen, des Weitgereisten, des Exotischen.   Der Warenaustausch mit den westlichen Regionen war nicht nur von politischen Gegebenheiten abhängig, sondern auch von geographischen.

Die Nebenrouten der Seidenstraße

Es existierten aber auch zahlreiche Nebenrouten der Seidenstraße wie z.B. von Xian nach Rangoon und über den Seeweg weiter nach Indonesien. Eine andere Route ging von Xian über Wuhan nach Hongkong und von hier per Schiff weiter in das Ost- bzw. in das südchinesische Meer (Shanghai), Hanoi bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt. Wieder andere Routen führten von Lanzhou nach Dhaka, von dort aus wurden die Waren per Schiff nach Sri Lanka (Golf von Bengalen) bzw. Malaysia und Indonesien verfrachtet. Eine weitere Nebenroute der Seidenstraße war die Verbindung Kashgar - Islamabad - Rawalpindi - Karatschi (Pakistan). Von Karatschi aus zeigten Seerouten nach Basra (Irak), Alexandia und Kairo (Ägypten) und nach Afrika und Bombay (Indien).

Die bekannteste Route der Seidenstraße begann in Xian und führte über Lanzhou, Wuwei, Jiayuguan, Dunhuang (hier Aufspaltung in Nord- und Südroute) nach Kashgar. Von Kashgar aus folgte die Route den Städten Osch, Samarkand, Buchara, Teheran (Iran) nach Antiochia (Syrien). Von Syrien aus trat die Seide ihren Siegeszug nach Rom (Italien) bzw. ins europäischen Festland an. Für die Kaufleute war der lange Weg mit ihren Karawanen von Xian über Zentralasien, Afghanistan*), Persien und den vorderen Orient bis zum Mittelmeer eine beschwerliche, meist ein Jahr dauernde Reise. Die Etappen variierten je nach Begehbarkeit der Routen. In späteren Zeiten wurden große Karawanen gebildet, die bis zu 1000 Kamelen umfaßten. Teilweise wurden diese Karawanen zum Schutz gegen Banditen und Wegelagerer von bewaffneten Eskorten begleitet. Die zweihöckrigen Kamele konnten bis zu 450Pfund Handelswaren bzw. Lasten tragen und waren damit besser als ihre einhöckrigen Verwandten.

*) Ein Wort zu Afghanistan: Früher & heute     ...........Verläßt man das kleine Pamir-Gebirge in westlicher Richtung, stößt man auf den Oberlauf des Flusses Amudarya. Über Feyzabad und Kunduz im Norden von Afghanistan kann man Balkh erreichen. Hier machte sowohl der Pilger Xuanzang als auch Marco Polo Rast. Marco Polo berichtet uns, daß genau hier in Baktra (Balkh) nach einer Legende, Alexander der Große die Tochter des Perserkönigs Darius zur Frau genommen haben soll. Von Balkh aus war es die Entscheidung des Reisenden , den Weg nach Merv oder gar nach Mesched und zum Südufer des Kaspischen Meers zu wählen. Weiter südlich liegt Bamiyan, im Westen von Kabul, das man von Peshawar aus erreicht. Die berühmten Kolossal-Statuen des Buddha, die man vor nicht allzu langer Zeit noch besichtigen konnte, hatten bereits Xuanzang beeindruckt und er schrieb: » Im Nordostteil der königlichen Stadt sieht man am Berghang eine steinerne Statue des stehenden Buddha; sie ist etwa 140 bis 150 Fuß hoch, sein Gesicht ist mit strahlendem Gold überzogen, und der kostbare Zierat funkelt. Im Osten befindet sich ein Kloster, das von einem früheren König dieses Landes gegründet wurde. Östlich des Klosters wiederum steht eine mehr als hundert Fuß hohe Statue des Buddha Sakyamuni aus Messing. Der Körper wurde in Einzelstücken gegossen, die man dann zusammensetzte, um diese Statue zu vollenden und schließlich aufzurichten. Zwei oder drei Li östlich der Stadt befindet sich in einem Kloster eine mehr als tausend Fuß lange liegende Statue des in Nirwana einkehrenden Buddha. «

Zu Beginn des 8.Jahrhunderts kam noch ein weiterer Mönch nach Bamiyan, diesmal ein Koreaner, namens Huichao, der darüber in seinem Bericht über eine Reise nach Indien, berichtet: Von Bamiyan oder auch von Balkh aus verläuft die Route nach Westen bis Herat. Genau diese Strecke von Herat nach Balkh hat um 1420, sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg, Ghiyath-ed Din, der als Gesandter nach China kam, benützt. Herat war damals die Hauptstadt Shah Rokhs, und in dieser Zeit unterhielt das China der Ming enge Beziehungen zu diesem Königreich. Im Jahre 1432 entsandte der Ming-Kaiser Xuanzong einen Gesandten mit einem Brief, in dem er den Warenaustausch befürwortete: » Mögen die Kaufleute unserer Länder nach Belieben reisen und Handel treiben.« Leider drang dieser Bote nicht bis Herat vor. Doch dies war ein paar Jahre zuvor Chen Cheng - einem anderen Boten - bereits gelungen. Dieser hinterließ uns sogar eine Beschreibung der damaligen Stadt und deren Gebräuche in seinem Bericht einer Gesandtschaft in die Westländer: » Die Männer scheren sich den Kopf kahl und hüllen sich in ein weißes Stück Stoff. Die Frauen bedecken sich den Kopf und lassen nur Öffnungen für die Augen. Die weiße Farbe gilt als Farbe der Freude, während Schwarz die Farbe der Trauer ist (Anmerkung: In China war Weiß die Farbe der Trauer) . Spricht ein höher Geste1lter zu einem Mann niederen Standes, nennen beide einander schlicht beim Namen. Wenn sie sich treffen, verneigen sie sich leicht und beugen dreimal das Knie. Beim Essen verwenden sie weder Löffel noch Stäbchen. ..«

Von Herat aus kann man wieder das Südufer des Kaspischen Meeres erreichen. Aber die Reisenden sind natürlich auch noch durch andere Orte des heutigen Iran oder Irak gezogen: Kirman, Isfahan, Tabriz, Bagdad oder Mossul. Marco Polo erwähnt: Tabriz (Marco Polos Tauris) war ein bedeutenderWarentauschplatz für Stoffe. Marco Polo wird zitiert » Die Lage der Stadt ist so vorteilhaft, daß die anderen Waren aus Baudac (Bagdad), aus Indien, Mossul, Curmos (Ormuz) und aus so manchen anderen Orten leicht hingelangen können: häufig finden sich auch lateinische Kaufleute, um jene Waren, die aus fremden Ländern kommen, zu erwerben. Hier kauft man auch Edelsteine und Perlen in großen Mengen. «

Afghanistan war in seiner Geschichte immer ein Treffpunkt der Kulturen. Man hat sich geachtet und beachtet. In der Bronzezeit hatte das Land die Funktion eines internationalen Handelszentrums. Später zogen die Karawanen der Seidenstraße durch´s Land.

Doch zurück zur Gegenwart. Schon weit vor dem ominösen 11. September 2001 fielen die ehrwürdige Buddha-Skulpturen aus der Zeit der Seidenstraße den Herrschern des heutigen Afghanistans zum Opfer. Unter anderem die beiden gigantischen Buddha-Statuen aus dem 2. und 3. Jahrhundert. Diese Statuen  (53m und 35m) zeigen bildhauerische Einflüsse aus Indien, Griechenland und China. Über tausend Jahre war Bamian eine Karawanenstadt and der antiken Seidenstraße. Die Machthaber des heutigen Afghanistans haben diese Zeugnisse bzw. Kulturdenkmäler aus früherer Zeit weitgehend zerstört. 1931 wurde ein Museum in Kabul gegründet, das sich bis zu den 60er Jahren rühmte, hunderttausend Jahre der Geschichte zu zeigen. 80 Prozent dieser Museumstücke wurden in den Wirren des Bürgerkriegs gestohlen, bis die neuen Machthaber den kostbaren Rest an Schätzen zerstörten.

Ich darf abschließend meinen "alten Freund Fred" - der bereits viele Touren durch die Seidenstraße gegangen ist - zitieren. Im Zusammenhang mit dem 11. September sagt Fred Lange : "..........fühle ich mich schon betroffen, zumal ich auf meinen Reisen entlang der Seidenstraße nur liebenswürdige Moslems getroffen habe. Das wird sich wohl in naher Zukunft ändern - wie, das mag ich noch nicht voraus zu sagen....."  (Anmerkung des Autors: Ich würde mir wünschen, daß das Erbe Afghanistans - ohne fremde Einmischung - wieder aufblüht, daß dieses Land bald wieder zum Treffpunkt der Kulturen und des Handels wird,  und daß auch die Weltreligionen an diesem Treffpunkt neu erstarken!)

Doch eisen wir uns los von der Gegenwart und kehren wieder zurück in die frühere, goldene Zeit der Hauptroute der Seidenstraße.

Die Hauptroute der Seidenstraße

Zwischen den Reichen Sogdien und Sassaniden-Reich verzweigten die Routen in eine südliche und nördliche Route.  Die nördliche Route umfaßt die Orte Kashgar - Aksu - Kucha - Turfan - Dunhuang und zieht sich nördlich an der Taklamakan entlang. Die südliche Route verzweigt ab Kashgar nach Khotan, Keriya und stößt wieder nach Dunhuang. Ab Dunhuang zieht die Route nach Jiayuguan, Lanzhou und schließlich nach Xian. Auf allen beiden Routen wurde die Wüste Taklamakan soweit möglich gemieden. Taklamakan bedeuted in der Sprache der Uighuren >Wüste des unwiderruflichen Todes<. Nicht zu Unrecht waren die Routen durch die Taklamakan sehr gefürchtet. Die früheren Reisenden berichteten ausnahmslos, einzige Orientierungspunkte seien die Knochenüberreste früherer Reisender oder tote Tiere.

 

Das Tarimbecken wird durch den gleichnamigen Fluß gespeist, der ostwärts durch die Taklamakan zum LopNor-See fließt. Die Taklamakan wird von drei Seiten durch einige der höchsten Berge der Erde begrenzt. Im Norden von den himmlischen Bergen, dem "Tienshan", im Westen vom Pamiergebirge, dem "Dach der Welt" und im Süden vom "Kopfschmerz-Gebirge" - dem Karakorum und dem Kunlun-Gebirge. Im Osten liegen die Wüste LopNor und der gleichnamige See - oder was von ihm noch übrig geblieben ist. Die Taklamakan war gefürchtet, und wurde von Reisenden gemieden. Sir Clarmont Skrine, ein britischer Generalkonsul in Kashgar 1920, schrieb in seinem Buch "Chinese Central Asia": "Sieht man in der Dämmerung gen Norden, so ist der Anblick ehrfurchteinflössend und unheimlich. Die gelben Dünen der Taklamakan - riesigen Wellen eines versteinerten Ozeans gleich - dehnen sich zum Horizont hin aus, nur hier und dort eine größere Düne, die wie ein König über ihre Untertanen zu thronen scheint. Die Schreie der Dünen sind lautlos, haben sie doch in der Vergangenheit so viele Reisende, ja ganze Karawanen verschluckt."


Die Südroute der Seidenstraße  

Wir durchschreiten die südliche Route der Seidenstraße von Ost nach West:  Folgen Sie uns in Gedanken und begeben Sie sich mit uns auf die Spuren der  Seidenstraße; wir starten unsere Reise im Osten - in Xian (das heutige Si´an). Xian hatte im Jahre 742 eine Ausdehnung von fünf mal sechs Meilen, und die Einwohnerzahl lag bei 2 Millionen, davon 5000 Fremde unterschiedlicher Kulturen.

 

Um das Jahr 120 v.Chr. ließen sich viele Händler aus fremden Ländern in der damaligen chinesischen Hauptstadt Xian nieder. Im Jahre 139 v.Chr. begann der >Große Reisende< Zhang Qian seine Erkundungen. Er sollte deshalb zum >Vater der Seidenstraße< werden, denn seine Reisen eröffneten für das damalige China das Tor zur Welt. (139 - 126 v.Chr. Reise nach Zentralasien). Nachdem die kaiserlichen Truppen den sog. Gansu-Korridor erobert hatten, wurde die chinesische Mauer bis nach Dunhuang verlängert. Auch die damaligen Königreiche Loulan, Khotan und Kashgar fielen an das chinesische Kaiserreich. Das waren die Voraussetzungen für den Handel auf der Seidenstraße.

Das geschichtsträchtigste Relikt aus der Zeit der Seidenstraße ist die große Wildganspagode in Xian. Die 64m hohe siebenstöckige Pagode liegt innerhalb eines buddhistischen Tempelkomplexes. Die Pagode wurde im Jahre 652 errichtet. Im Zentrum der Stadt steht der Glockenturm. Dieser wurde im Jahre 1384 (in der Ming Dynastie) erbaut. An der Grenze zum Moslemviertel steht der 25m hohe Trommelturm. Er wurde im Jahre 1370 errichtet und der Trommelschlag, der jeweils bei Anbruch der Dämmerung erklang, war das Signal die Stadttore zu schließen.Wildgans-Pagode

Xian ist heute eines der großen Touristenzentren Chinas. Die lebensgroßen Figuren der Terrakotta-Armee des Ersten Kaisers ziehen jährlich Millionen Besucher an.

Ein 55 Meter hoher, grüner Hügel bei Lintong, 40 km östlich von Xian, ist das größte Grabmal der chinesischen Geschichte. Der erste große Historiker der Chinesen, Sima Qian, hat genau beschrieben, wie 700000 zwangsrekrutierte Bauern aus allen Landesteilen das Grab gebaut haben und was sich in seinem Inneren befindet: »Die Arbeiter gruben sich durch drei unterirdische Wasseradern, die sie abschnitten, indem sie Bronze hineingossen, um die Grabkammer zu errichten. Diese füllten sie mit Modellen von Palästen, Pavillons und Amtsgebäuden, ferner mit kostbaren Gefäßen und Steinen sowie wunderbaren Raritäten. Handwerker erhielten den Auftrag, auf Eindringlinge zielende Armbrüste mit mechanischen Selbstauslösern zu installieren. Die verschiedenen Ströme des Landes, der Yangzi und der Gelbe Fluß, ja selbst der große Ozean wurden mit Quecksilber nachgeahmt, das eine mechanische Vorrichtung in Bewegung hielt. Oben waren Konstellationen des Firmaments dargestellt und unten das geographische Relief der Erde. Leuchter wurden mit Walfischöl gespeist, um zu gewährleisten, daß sie, ohne zu verlöschen, für immer brannten. .. Schließlich pflanzte man Bäume und säte Gras auf dem Grabhügel, damit er wie ein normaler Berg aussähe. «

Seit 1981 hat man durch wissenschaftliche Untersuchungen und archäologische Funde einige Angaben des Historikers Sima Qian bestätigen können. Das Institut für Geophysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hat zum Beispiel eine Bestätigung der Berichte über die Nachbildung des Ozeans und der Flüsse des Reiches mit Hilfe von Quecksilber geliefert. Bodenproben aus dem Inneren des Grabhügels weisen auf einer Fläche von 12000 qm eine außergewöhnlich hohe Konzentration von Quecksilber auf. Bisher hat man jedoch noch nicht den Versuch gemacht, das Grab zu öffnen. Was würden wir wohl zu sehen bekommen - welches Geheimnis verbirgt sich noch in diesem Grab?


In dem 1969 in Leitai bei Wuwei (nordwestlich von Lanzhou) entdeckten Grab eines Generals aus der Zeit der Späteren Han wurden mehr als zweihundert Grabbeigaben gefunden, von denen eine sofort Berühmtheit erlangte: Das fliegende Pferd von Gansu - eine kleine Bronze-Statue (über 2000Jahre alt), mit einem Fuß auf einer Schwalbe stehend: Die himmlischen Pferde kommen, man hat die fernen Tore geöffnet. Ich möchte mich aufrichten und fortgehen bis zu den Kunlun-Bergen. Die himmlischen Pferde kommen, sie sind die Vermittler der Drachen, durchschreiten die Pforte des Himmels.         Han shu,22


Die Terrakotta Armee von Xian - auch das 8. Weltwunder genannt: 1974 wurde bei Brunnen-Grabungen von Bauern erste Terrakotta-Figuren gefunden. Bei weiteren Grabungen im Mausoleum des Ersten Kaisers von China, Qui Shihuang Di  (unterschiedliche Quellen: 221-206v.Chr. oder 259-210v.Chr.)), in der Nähe von Xián wurde eine Armee aus rund siebentausend Terrakotta-Soldaten gefunden, die die Grabstelle bewachen sollten. Die Entdeckung antiker Tonkrieger, Abbild einer ganzen Armee, die vor mehr als 2000 Jahren für Ihren Herrscher Qui Shihuang Di China einte, und die Grabanlage, die sie bis in alle Ewigkeit zu bewachen haben, sorgt dafür, daß Chinas Archäologen auch in der nächsten Generation nicht untätig sein werden. Bis heute wurde erst ein kleiner Teil der unterirdischen Armee freigelegt und aufwendig restauriert. Eine große Zahl Krieger wird noch im schweren Lößboden vermutet. Die einzelnen Figuren sind nicht verschieden, denn betrachtet man die Figuren genauer, so bemerkt man, daß die Körper der Figuren in Serienfertigung hergestellt wurden. Nur die Köpfe sind individuell gestaltet. Die Geschichte überliefert, echte Krieger hätten dafür Modell gestanden. Trotz unterschiedlichster Haartrachten, Augenpartien, Kopfbedeckungen, Schnauzer und Bärte zeigen sie alle den Ausdruck der Entschlossenheit, für ihren Ersten Kaiser einzustehen.

Kehren wir wieder zur Seidenstraße zurück; von Xian aus setzen wir die Reise nach Lanzhou fort.

Lanzhou (heute als Lantschou bezeichnet): Große Bedeutung erreichten die Tempel Bingling Si.  Bingling ist eine Transkription des Tibetischen für >zehntausend Buddhas<, ein oft für buddhistische Höhlentempel verwandter Name. Das Kloster Bingling Si (Tausend Buddha-Höhlenkloster) - 1952 wieder entdeckt - kann man heute leider nur noch unter Schwierigkeiten besuchen: Ein riesiger Stausee versperrt den Weg und unter diesem Stausee ruht die ehemalige Kreisstadt Yongjing. Für das größte Stausee-Projekt (vergleichbar mit dem heutigen >Drei Schluchten Projekt< am Yangzi) wurden neben der Stadt bedeutende Kunstschätze geopfert. Die 27 Meter hohe Buddhafigur bzw. die 183 Höhlen mit ihren kunstvollen Skulpturen, Wandmalereien und Reliefs werden wohl durch die aufsteigende Feuchtigkeit nach und nach verfallen. Zwischen den Orten Lanzhou und Dunhuang findet sich Jiayuguan: Diese Festung, etwa 40km westlich von Juiqaun, markierte einst die westliche Grenze des Han-Reiches. Als die Große Mauer nach Westen erweitert wurde, erlangte der Ort große Bedeutung. 1372 begann man mit dem Bau einer großen Festung, die bis heute das westliche Ende der Mauer bildet, die sich von Shanhaiguan (Schanhai-Paß) am Bohai-Meer bis zur Festung von Jiayuguan auf einer Länge von 4000Kilometer erstreckte. Jiayuguan wurde an einer strategisch bedeutsamen Stelle errichtet, nämlich zwischen dem Qilian- und dem Beishan-Gebirge. Hier liegt der Jiayu-Paß - ein früherer Verbindungsweg zwischen dem chinesischen Reich und den umliegenden Ländern. Händler legten in Jiayuguan eine Rast ein, bevor sie sich aufmachten die Wüste zu durchqueren. Die Festung selbst bestand aus einer Doppelmauer mit Wachtürmen an den Ecken und Doppeltoren im Osten und Westen. Die Umfassungsmauer der inneren Stadt war 10Meter hoch und ca. 3/4 Kilometer lang. Die Anlage selbst nahm eine Fläche von etwa 34000 Quadratmetern ein. Zeitweise waren hier bis zu 30000 Soldaten stationiert, welche die undankbare Aufgabe hatten, die westlichsten Eckpfeiler des chinesischen Reiches zu bewachen.  Eine lange Zeit war Jiayuguan der Ort, an dem Händler und Reisende das chinesische Reich betraten bzw. wieder verließen. Deshalb wurde diese Festung auch >Der erste große Paß unter dem Himmel< bezeichnet. Wer von Jiayuguan nach Westen zog, verließ die Geborgenheit seiner Heimat.

Von Lanzhou aus geht unsere Karawane nach Dunhuang weiter.

Dunhuang (das heutige Tunhuang)- auch die "Schatzkammer der östlichen Kunst" genannt: An der Abzweigung der nördlichen von der südlichen Umgehung der Wüste Taklamakan gründete der Han-Kaiser Wudi im Jahre 111 v.C. die Oasenstadt Dunhuang. (Bild: © Fred Lange ) Viele der Grotten in Dunhuang (Mogao-Grotten) sind nicht nur mit wertvollen Malereien ausgestattet, sondern auch mit buddhistischen Figuren. Die letzten Höhlen stammen aus der Zeit um 366 n.Chr.. Dann verschüttete ein fürchterlicher Sandsturm die Tempelanlage. Die Mogoa-Grotten gerieten in Vergessenheit....... bis, ja, bis sie im Jahre 1899 von einem Wandermönch Wang Yuanlu wiederentdeckt wurden. Dieser Mönch fand bei seinen Restaurierungsarbeiten eine Bibliothek mit weit über 50000 Dokumenten. Dunhuang mit den Magao-Grotten gehört heute zu den bedeutensten Kulturgütern der Welt. Die Grotte 275 enthält den >Buddha der Zukunft< und wurde im 5 Jahrhundert n.Chr. gebaut. Grotte Nr. 285 entstand später und hoch an der Raumdecke finden sich neben buddhistischen Malereien auch Gottheiten der Chinesen. In diesen Grotten dankten Rückkehrer von der gefährlichen Seidenstraße ihren Göttern und umgekehrt beteten aufbrechende Händler um eine sichere Reise. Dunhuang ist heute eine kleine Oase mit etwa 8000 Einwohner. Die Höhlen der Tausend Buddhas sind das beeindruckendste Beispiel buddhistischer Kunst an der Seidenstraße.

Die geflügelten Gottheiten oder Apsaras sind ein Schmuckelement, das in den Malereien der Höhlen von Dunhuang häufig verwendet wurde. Hier eine Apsara aus der Grotte Nr. 288.

................. und der Sand von den umgebenden Wanderdünen bedroht die Grotten - es wurden zwar bereits Wälle von der Volksbefreiungsarmee gebaut, aber noch ist nicht entschieden wie der Kampf zwischen Mensch und Natur ausgeht.

Inmitten der Wüstengebiete gelegen, überrascht die Stadt Dunhuang: Hier finden sich blühende Gärten und fruchtbare Feldern. Ein weit verzweigtes Netz von Bewässerungskanälen schafft die Voraussetzung für die Landwirtschaft, in der nach wie vor die meisten Bewohner der Region tätig sind. Produziert wird vor allem Baumwolle und Obst. Eine zweite und wichtige Einnahmequelle stellt heute der Tourismus dar. Was Dunhuang für Besucher aus aller Welt so anziehend macht, liegt außerhalb der Stadt.  In Dunhuang findet man die >Düne der klingenden Sande< - eine riesige Sanddüne, die schon allein als Silhouette fasziniert. Ihren Bekanntheitsgrad verdankt sie etwas anderem - etwas geheimnisvollem: Rutscht man an ihren Hängen hinunter, entsteht ein seltsames, pfeifendes Geräusch. Es rührt vom Aneinanderreiben der von der Sonne erhitzten Sandkörner her. Was ist das Geheimnisvolle an dieser Düne? Eine Sage hält dafür eine Erklärung bereit: Vor vielen Jahrhunderten habe hier eine Schlacht stattgefunden - plötzlich hätte sich ein heftiger Sandsturm erhoben und die beiden Armeen unter den Sandmassen begraben. Das seltsame Geräusch, das man heute noch höre, ist das Kriegsgeschrei der toten Soldaten. Ist es Legende oder steckt eine wahre Begebenheit dahinter?

Wenige Kilometer von Dunhuang entfernt findet man ein weiteres Naturwunder: Mitten in der Wüste trifft man plötzlich auf eine halbmondförmige Wasserstelle, den 200 Meter langen »Mondsichelsee«, der von einem unterirdischen Reservoir gespeist wird. Obwohl er seit mehr als 1000 Jahren von meterhohen Wanderdünen, dem »Meer des fließenden Sandes«, umgeben ist, wurde er noch nie von ihnen verschüttet. Das liegt wohl an den besonderen landschaftlichen Gegebenheiten, die dafür sorgen, daß der Wind den Sand vom See fernhält. Wasserstellen wie diese waren für die Reisenden lebenswichtig und oft sogar die letzte Rettung.


Bei Dunhuang passieren wir das Jadetor - es war die frühere Grenze zwischen der Zivilisation und der gefährlichen Welt um die Seidenstraße und der Wüste. Nach Dunhuang teilte sich die Seidenstraße in eine südliche und eine nördliche Route - die Wüste Taklamakan bzw. des Tarimbeckens mußte umgangen werden. Das große Tarimbecken wird im Norden vom Himmelsgebirge "Tian Shan", im Westen vom Pamirgebirge - und im Süden vom Kunlun-Gebirge begrenzt. Das Herz des Tarimbeckens bildet die Wüste Taklamakan - was übertragen so viel bedeutet wie "Wer in sie hineingeht, kommt nie wieder heraus". Marco Polo schrieb einst über die Taklamakan: >>Es gilt als wohlbekannte Tatsache, daß diese Wüste vielen bösen Geistern zum Aufenthalt dient, die den Reisenden allerlei sonderbares Blendwerk zu ihrem Verderben vorführen. Wenn am Tage Leute auf dem Weg zurückbleiben oder vom Schlaf überfallen oder aus anderen Gründen aufgehalten werden, bis die Karawane über einen Hügel gezogen und nicht mehr länger sichtbar ist, so hören sie sich ganz unerwartet bei ihrem Namen rufen, und zwar mit einer Stimme, die ihnen bekannt erscheint. Da sie nun glauben, der Ruf komme von ihren Gefährten, werden sie vom rechten Weg abgelenkt und müssen, da sie die richtige Richtung nicht finden, zurückbleiben und elendiglich umkommen. Deswegen halten die Reisenden es auch für notwendig, bevor sie sich der Nachtruhe überlassen, zur Vorsicht weiter vorn ein Signal aufzustellen, welches ihnen den Weg zeigt, wenn sie am anderen Tag weiterziehen wollen. Das sind die außerordentlichen Gefahren, denen man unweigerlich begegnet, wenn man durch diese Wüste Taklamakan zieht. <<

Sven Hedin, das Geheimnis des Lop Nor und die Taklamakan

"In der Stille liegt die größte Offenbarung" Laotse.

 

Der schwedische Entdecker und Geologe Sven Hedin (geboren am 19.2.1865 in Stockholm - gestorben am 26.11.1952) wäre fast auf seiner Expedition durch die Wüste Taklamakan umgekommen. In seinem Buch "Durch Asiens Wüsten " schreibt Sven Hedin: Durch ganz Asien und Afrika zieht sich von Nordosten nach Südwesten, einem ausgetrockneten, riesig breiten Flußbett vergleichbar, ein Wüstengürtel hin: die Gobi, der größere Teil der Mongolei, die Taklamakan in Ostturkestan, der Westzipfel der Gobi, der Rote Sand und der Schwarze Sand in Russisch-Turkestan, die Kewir und andere Wüsten in Persien, die Wüsten Arabiens und schließlich die Sahara. Die schrecklichste dieser Wüsten ist die Taklamakan, die sich südlich vom Jarkent-darja oder Tarim bis zu der gewaltigen Gebirgskette des Kvenlun ausdehnt, des nördlichen Grenzgebirges von Tibet - ein gewaltiger, völlig unbekannter Landstrich, den zum erstenmal zu durchqueren ich mir im Frühjahr 1895 vorgenommen hatte.  Sven Hedin begann seine Forschungen 1893 mit einer vierjährigen zentralasiatischen Expedition. 1899 brach er zu einer weiteren Expedition nach Zentralasien auf, wo er den Fluß Tarim und den See Lop Nor erforschte. Lop Nor - der verschwundene See - der wandernde See - ein Rätsel - was steckt dahinter? Der Lop Nor - See wurde schon vor 2000 Jahren in der Han-Dynastie beschrieben. Heute ist an der Stelle, an der Landkarten noch einen See zeigen, eine Salzwüste...... Bei seiner zweiten Expedition 1899 fand Sven Hedin heraus, daß der Lop Nor im Laufe der Zeit seinen Platz wechselt. Die meisten Wissenschaftler schließen sich heute Sven Hedin´s Meinung an. Die vom Tarim-Fluß mitgeführten Sand- und Schlamm-Massen, die sich im See absetzen, füllen langsam den Boden auf, während die Stürme das umliegende Land abtragen bis der See überläuft und sich ein neues Becken sucht. Dort wiederholt sich dieser Vorgang, so daß der See schließlich wieder in sein altes Becken zurückkehrt. Sven Hedin berechnete für eine >Rundreise< des Sees 1600 Jahre. Doch so sehr man heute nach dem See sucht - es gibt den See Lop Nor nicht mehr! Wo das Wasser einst das Salz aus dem Boden gespült hat, sind nur noch Salzbrocken übrig. Jetzt ist der Kreislauf unterbrochen, weil nicht mehr genügend Wasser Lop Nor erreicht. Staudämme am Oberlauf des Tarim-Flusses und weniger Wasser, das aus dem Kunlun-Gebirge kommt,  sind die Ursachen für die mangelnde Versorgung des Lop Nor Sees.

Sven Hedin erkannte richtig, daß »der Lop Nor ein wandernder See sein mußte, ein See, der periodisch von Norden nach Süden und von Süden nach Norden wandert, ganz wie das Gewicht eines Pendels und das Pendel  hier ist der Fluß Tarim.«

Sven Hedin schreibt in seinem Buch >Durch Asiens Wüsten< über seine Erforschung des Lop Nor: >Die Chinesen nennen das Land dort noch heute Lop-nor. Während aber auf ihren Karten der gleichnamige See sich von Westen nach Osten erstreckte, ging die Längenrichtung des von mir entdeckten Sees von Norden nach Süden, und obendrein war er durch vorspringende Halbinseln in vier Becken eingeschnürt. Diese Veränderung des Sees war aber nur die notwendige Folge der Sandstürme, die im ganzen Lop-Gebiet meist aus Osten und Nordosten wehen, den See also immer mehr nach Westen drückten und sein Becken von Osten her mit Flugsand ausfüllten. Daß sich der See ehemals nach Osten ausdehnte, bewiesen obendrein die dort vorhandenen Reste des Waldes, der notgedrungen dem See auf seiner Wanderung gefolgt war: am weitesten im Osten toter Wald in völliger Sandwüste, zwischen den am weitesten nach Westen vorgeschobenen Dünen noch prächtige grüne Pappelstämme, und schließlich an der Uferlinie junges, zartes Gebüsch. Der tote Wald im Osten mußte also vor Zeiten gleichfalls am Ufer des Sees gestanden haben. Die Wasserbecken, die wir vor uns hatten, waren nichts weiter als Reste des alten Lop-nor. Unserer Weiterwanderung auf dem Ostufer des alten Lop-nor bereitete das Gelände außerordentliche Schwierigkeiten. Zehn bis fünfzehn Meter hohe Sanddünen fielen gewöhnlich ziemlich steil nach dem Wasser zu ab. Wo der Sand hier und da ein wenig zurücktrat, stand Pappelwald, und wo die Dünen niedrig waren, traten statt der Pappeln Tamarisken*) auf, von denen jede auf der Spitze eines gewaltigen Kegels thronte, dessen Gerippe aus den eigenen Wurzeln der Pflanze bestand. Der See selbst war derartig mit Schilf zugewachsen, daß man nur von hohen Aussichtsdünen offenes Wasser sehen konnte, und wo das Seebecken flach und ganz ausgetrocknet war, stand das Schilf so dicht wie in den Wänden der Hütten der Eingeborenen und so hoch, daß es selbst die Kamele um das Doppelte überragte. Wir verschwanden darin wie in dunklen Gängen und waren froh, wenn wir glücklich wieder herauskamen. Dabei wurde die Mückenplage unerträglich. Schwarze Wolken dieser verhaßten Insekten verfolgten uns, und wenn die Sonne unterging und wir unser Lager aufschlugen, fielen sie in Milliarden über uns her. Wir umgaben uns mit einer Ringmauer von Feuern, deren Rauch uns fast erstickte. Selbst das half nichts. Schließlich zündeten wir einfach das trockne Schilf selbst an, das Feuer verbreitete sich wie ein Präriebrand über einen großen Teil des Sees, und der Rauch legte sich als dichter Schleier über die Gegend. Ich lag die halbe Nacht wach, um mich an der Wut der prachtvollen Flammen zu freuen. Aber in der Nacht mußte ich immer noch Hände und Gesicht mit Tabaksaft einschmieren, um meine Haut vor Insekten zu schützen. Nachdem wir dort sieben Tage keinem Menschen begegnet waren, trafen wir dort, wo der Ilek aus dem süchichsten Zipfel des Sees wieder heraustritt, um sich nach zwei Tagereisen weiter unten mit dem Tarim zu vereinigen, drei Fischerfamilien. In einem tiefen Kanal strömte das kristall- klare, im Schilf der Seen gereinigte, dunkelblaue Wasser nach Süden. Von hier aus schickte ich Islam Bai mit der Karawane zunächst nach dem Vereinigungspunkt der bei- den Flüsse voraus, während ich mir ein Boot mietete, um mit zwei Ruderern flußabwärts zu fahren und so dorthin zu kommen, wo mein Vorgänger Prschewalskij)** den andern Lop-nor entdeckt hatte. <

*) Tamarisken können mit ihren Wurzeln bis zu 40 Meter in den Wüstenboden eindringen und Grundwasser erreichen. Im Herbst verwandeln sich die Nadeln der Tamarisken zu einer grandiosen Farbenpracht. Meist bildet der Sand um die Tamarisken eine weithin sichtbare konische Form. Wüstenpappeln sind die einzigen größeren Bäume, die weit in die asiatischen Wüsten vordringen. Die sog. Toghraks wachsen meist an Flußläufen und Wadis.

)** Über die genaue Schreibweise ist sich die Fachliteratur nicht einig - fest steht, daß der Russe Prjevalsky, so eine andere Schreibweise, von zahlreichen Forschern, die nach Turkestan reisten, der berühmteste ist, der 4 Expeditionen in diese Region unternahm. Als er anläßlich einer dieser Reisen durch Suzhou in Gansu kam, hörte Prjevalsky zum ersten Mal von den Höhlen der tausend Buddhas bei Dunhuang.  Prjevalsky ist auch die Wiederentdeckung des LopNor Sees zuzuschreiben. Lange war die Existenz dieses Sees bezweifelt worden, denn seit Marco Polo hatte den See LopNor kein Forscher mehr gesehen.

Die Entdeckung Loulans durch Sven Hedin  - oder die Geschichte des verlorenen Spatens

Sven Hedins nächste Expedition galt dem Fluß Tarim, zu der er am 5. September 1899 vom Dorf Lailik aus startete. Nach drei Monaten und nur noch etwa 200 Kilometer vom Ziel entfernt, setzte der hereinbrechende Winter dieser Expedition ein vorzeitiges Ende. Hedin beschloß, die Zeit bis zum Frühjahr für kleinere Expeditionen zu nutzen. So wandte sich Sven Hedin der Lop-Wüste zu, dem östlichsten Teil der Taklamakan. Nach einigen Tagen machte Sven Hedin eine Entdeckung: Er stieß auf sehr alte Häuser, deren Überreste auf einsam aufragenden Hügeln standen. Die Erosion hatte im Laufe der Zeit das Terrain ringsum abgetragen. Eine flüchtige Untersuchung erbrachte nur ein paar alte chinesische Münzen, Metallbeile und einige holzgeschnitzte Figuren. Hedin ließ die Funde auf Kamele laden und in sein Basislager der Expedition am Tarimufer bringen. Sven Hedins Kolonne war erst wenige Stunden marschiert, da ließ er die Karawane an einer Stelle anhalten, um nach Wasser zu graben. Erst da entdeckte er, daß der einzige Spaten fehlte. Einer seiner Männer hatte ihn bei den alten Häuserresten vergessen. Sofort schickte Sven Hedin den Mann mit seinem Pferd zurück, um den Spaten zu holen. Als der Mann mit dem Spaten nach geraumer Zeit wiederkam, erzählte dieser, er habe sich auf dem Rückweg in einem Sandsturm verirrt. Aber er sei auf vorher nie gesehene Ruinen gestoßen, deren Merkmal geschnitzte Figuren waren. So bald es die Witterung erlaubte,  eilte Hedin dorthin, wo Monate zuvor der Spaten vergessen wurde. Zuerst fertigte er einen genauen Plan der Fundstätte an. Dann ließ er seine Leute systematisch jedes Haus ausgraben. Als Anreiz für die harte Knochenarbeit stellte er jedem eine Belohnung in Aussicht, der ein Schriftstück finden würde. Schon bald kam ein Holzstück mit einer indischen Schrift ans Tageslicht, außerdem eine Reihe alter Papierblätter, auf denen chinesische Schriftzeichen zu erkennen waren. Diese Handschriften erwiesen sich als wichtig, denn sie identifizierten jenen geheimnisvollen Ort als die ehemalige Stadt Loulan, und sie lieferten eine genaue Beschreibung des Lebens: Vor über 2000 Jahren standen noch Häuser am Ufer des Lop Nor Sees, umgeben von blühenden Gärten und Wäldern, in denen Tiger umherstreiften; auf dem See fuhren die Fischer in Einbäumen. Damals war die Stadt Loulan noch eine chinesische Garnison, der westlichste Vorposten des Reiches, dazu bestimmt, die Völker ringsum in Schach zu halten und den Handel auf der Seidenstraße zu sichern. Die gefundenen Handschriften erzählten von einer Stadt mit fortschrittlichem Gemeinwesen - mit Schulen, Krankenstation, Post und einerVerwaltung. Jene Schriften gaben aber auch Auskunft darüber, wie ähnlich uns diese Menschen waren. Die Zeugnisse umfaßten alles, was im damaligen Leben eine gewichtige Rolle spielte: von Hymnen an die Gottheiten bis hin zu Verzeichnissen über bestrafte Steuersünder. Noch 250Jahre nach Christus berichteten die Quellen von der Gründung einer tausend Mann starken Armee, aber nur 70 Jahre später rissen die Nachrichten aus Loulan abrupt ab. Warum?

In jenen Jahrzehnten ereignete sich eine Naturkatastrophe riesigen Ausmaßes. Der Tarim-Fluß, dessen Wasser nicht nur den Lop Nor See speiste, sondern auch Loulan mit Wasser versorgte, änderte urplötzlich seine Richtung. Er floß nicht mehr nach Osten, sondern bog nach Süden ab. Damit wurde Loulan vom lebensnotwendigen Wasser abgeschnitten und mußte aufgegeben werden. Und auch der Lop Nor See begann als Folge des fehlenden Wassers auszutrocknen. Der See entstand an anderer Stelle - doch Loulan war verlassen - der Wüste schutzlos preisgegeben.


Der Asienforscher Sven Hedin kann den Entdeckerruhm vom Kailash - dem heiligen Berg der drei Religionen - für sich reklamieren.


In Loulan - die geheimnisvolle Stadt - vor 2000 Jahren ein vorgeschobener Militärposten und ein westlicher Vorposten Chinas zum Schutze der Seidenstraße - stoßen die Archäologen noch heute auf Funde aus der Blütezeit der Seidenstraße und diesen Funde zufolge - es waren Münzen, Töpfereien, Gräber und Seide - mußte Loulan eine musterhafte Stadt gewesen sein. Als Marco Polo Loulan erforschte, lag die ehemals blühende Stadt schon über 1300 Jahre unter dem Wüstensand begraben. Bekannt wurde Loulan durch den mumifizierten Leichnam einer Frau, der >Königin von Loulan<. Ihr toter, aber gut erhaltener Körper war in kostbare Seide gehüllt - sie mußte aus einem Herrscherhaus von Loulan stammen. Eine Reiherfeder in ihrem Haar zeigte an, daß sie ihr Mann im Tode noch liebte. Aurel Stein entdeckte bei seiner Expedition eine Zahlungsanweisung aus dem Jahre 330 n.Chr. Hotan (das frühere Khotan - auch Yutian genannt) liegt am Südrand des Tarim-Beckens in Südwest-XinjiangeHotan war eine wichtige Stadt an der Seidenstraße. Bei der Seidenraupenzucht und Seidenproduktion. Hotan hat eine lange Geschichte. Seidenwaren, Jade und Teppiche aus Hotan sind landesweit bekannt.

Zwischen Dunhuang und Khotan (das heutige Hotan) liegt die ehemalige Hauptstadt des Jingjue- Reiches: Niya. Das ungefähr 120 km nördlich von Minieng gelegene Niya, von dem nur noch Ruinen zu sehen sind; war einst unter den Han als Königreich  Jingjue bekannt. Die Stadt beherbergte zu jener Zeit 480 Familien, 3360 Bewohner; von denen 500 zu den Waffen gerufen werden konnten. Noch heute zeigen die Ruinen der Wohnbauten eine recht ausgeklügelte Struktur: aus Holz und Lehm gebaut und mit Schilfhälmchen und Tamarisken verziert. Wissenschaflter fanden in den Ruinen neben mumifizierten Körpern auch Grabbeigaben, Münzen und Terrakotten. Aurel Stein schrieb über Niya: »Hier waren die Wände und alle zurückgelassenen Gegenstände völlig von der Erosion zerfressen, obgleich die massiven, wenn auch ausgebleichten und zerplatzten Trägersäulen noch aufrecht standen und die Position des Gerüsts markierten. Doch als ich den Boden dessen, was vormals ein Schuppen oder ein Stall gewesen sein mochte, inspizierte, erkannte ich schnell, daß er aus mehreren Schichten aufgehäuften Unrats bestand. Gewiß, die frühere Erfahrung war Grund genug, in dieser abstoßenden Grube zu graben, selbst wenn die starken Gerüche, die ihr Inhalt noch nach siebzehn Jahrhunderten ausströmte, durch die frische Ostbrise doppelt peinigend waren. Diese wirbelte einen feinen Staub, tote Mikroben etc. auf, die einem in Augen, Hals und Nase gerieten.« Übers. aus: Aurel Stein*), On Ancient Asian Tracks

*) Sir Marc Aurel Stein (1862-1943) wird in China noch heute als archäologischer Pirat bezeichnet. Im Dienste Ihrer Majestät bereiste Stein die alten Routen der Seidenstraße und erreichte 1907 Dunhuang - angelockt durch die Gerüchte um wertvolle Handschriften. Es gelang Stein, den Hüter der Dokumente Wang Yuanlu zum Verkauf von über 20 Kisten mit Schriftrollen und 5 Kisten mit Malereien zu überreden. Auf diese Weise erwarb Stein über 150 Brokatstücke, etwa 500 bemalte Banner und ca. 6500 Dokumente, die noch heute zum großen Teil im Britischen Museum in London aufbewahrt werden.

Noch einige Informationen zu den Niya-Ruinen. Sie befinden sich in der Wüste, etwa 150km nördlich der Kreisstadt Minfeng. Die Niya-Ruinen erstecken sich über ein Gebiet von Nord nach Süd 22km und Ost nach West 10km. Bei Ausgrabungen fand man viele kostbare Kulturgegenstände wie z.B. antike Münzen, Seidenwaren, hölzerne Werkzeuge und Dokumente - ein Beweis dafür, daß die Kultur in jener Zeit in diesem Gebiet hochentwickelt war und der Handel blühte.

Nach den Ruinen von Niya geht´s weiter nach Khotan (Hotan).

Die südliche Umgehungsroute führt weiter nach Khotan - der Stadt der Jade und Seide. Im Osten der Stadt Khotan befindet sich der Fluß der Weißen Jade, Baiyü he; im Westen der Fluß der grünen Jade  Lüyü he und ebenfalls im Westen liegt ein dritter Fluß der schwarzen Jade, Heiyü he. Diese drei Flüße haben ihre gemeinsame Quelle in den Kunlun-Bergen. Bei Mondschein finden die Jadesucher die besten Stücke in den drei Flüssen. Gehen die Schmelzwasserfluten der Flüsse im September zurück, steigen viele Einwohner Khotans in den Fluß, um die Jadestücke zu sammeln. Meist bilden einige eine Reihe und schreiten langsam Hand in Hand den Fluß ab. Mit bloßen Füßen ertasten sie auf dem Grund des Flusses Jadekieseln. An ihrer glatten Oberfläche können sie diese von normalen Steinen unterscheiden. In jenen drei Flüssen liegt Khotans großes Kapital - Jade. Auf chinesisch heißt Jade Yü - ein Wort, das nicht nur für Jade steht, sonderrn auch für alles Gute. Jade ist ein Stein, den man heilende Kräfte zuschreibt und der ein langes Leben bewirken soll. In Jade werden »kosmische Energien und Heilkräfte« vermutet. Naturheiler betonen den positiven Einfluß der Jade auf Nierenbeschwerden und Blasenleiden, aber die Jade müsse dazu direkt auf der Haut getragen werden. Generell soll Jade einen beruhigenden und harmonisierenden Einfluß auf den Menschen ausüben. Jade soll die Nerven entspannen und dem Träger von Jade heilsamen Schlaf schenken. Jeder weiße Jadestein kommt mit Sicherheit aus Khotan und das schon seit 2000 Jahren! Die berühmteste weiße Jade, die in den letzten Jahren in Khotan zum Vorschein kam, wog 5 Tonnen und wurde zu einer Skulptur verarbeitet, die heute in Beijing steht; sie stellt den legendären Kaiser Yü dar, der die Fluten des Gelben Flusses gebändigt haben soll. Es gilt auch als sicher, daß Khotan das Geheimnis der Seidenherstellung aus China erhielt. In einer Überlieferung wird dieser Kulturtransfer mit einer adeligen Schmugglerin in Verbindung gebracht. Diese Legende spielt auf eine Zeit an, in der China noch versuchte, das Geheimnis um die Seide mit allen Mitteln für sich zu behalten.Am Markt wird Jade angeboten

Heute ist Khotan eine moderne Stadt, besonders ist das in den Außenbezirken zu bemerken. Nur im alten Viertel rund um die Moschee sind noch enge, kleine Gassen vorhanden, in denen wie zu Zeiten der alten Seidenstraße Händler und Handwerker, hauptsächlich sind das Uiguren, auf offener Straße ihrer Beschäftigung nachgehen.

>Es gibt dort einen Fluß, der Jade enthält; die Leute des Landes beobachten des Nachts die Stellen an denen der Widerschein des Mondes besonders stark ist, und dort finden Sie unweigerlich schöne Jade.<   (Tang shu, Geschichten der Tang, 221)

Bevor wir zur Endstation unserer Südroute kommen, sei noch Yarkand erwähnt. Marco Polo schreibt über die Bewohner von Yarkand: Die Einwohner sind in Künsten und Handwerken erfahren. Sie haben häufig geschwollene Beine und Kröpfe, eine Krankheit, die auf das schlechte Trinkwasser zurückzuführen ist. Weiter ist nichts Bemerkenswertes zu berichten.

Wenn die Karawane Yarkand verlassen hatte, führte sie der Weg nach Kashgar (auch in Landkarten Kashi genannt), am Nordwestrand der Wüste Taklamakan gelegen. Kashgar war eine der wichtigsten Stationen an der Seidenstraße im westlichsten Winkel Chinas. Sie liegt am Treffpunkt der nördlichen und der südlichen Route der Seidenstraße, "die größte und schönste unter den zahlreichen Städten «, wie Marco Polo Kashgar schon beschrieben hat. Wenn die Karawanen in Kashgar eintrafen, hatten sie eine beschwerliche und gefährliche Reise durch Wüsten und Gebirge hinter sich und freuten sich auf eine ausgiebige Rast und auf entspannende Unterhaltung. Von Kashgar aus führten die Wege weiter nach Pakistan und Indien bzw. nach Europa. Aber vom Glanz der damaligen Zeit ist heute nicht viel übrig geblieben. Mal abgesehen von einigen leergeplünderten Höhlen außerhalb der Oase und dem noch pulsierendem Leben der Händler beim Bazar Kum, dem großen Sonntagsmarkt in Kashgar, aber sonst erinnert nichts mehr an die frühere Blütezeit.

Die Nordroute der Seidenstraße

Sie führte von Dunhuang (Weggabelung in eine Nord- & Südroute) über Turfan, Korla, Kucha, Aksu nach Kaschgar (Kashi). Also starten wir wieder in Dunhuang, dazu ein Bericht: Eine andere, ebenfalls in den Grotten bei Dunhuang entdeckte Handschrift ist eine im 8. Jahrhundert verfaßte und kopierte Monographie von Shazhou, aus der wir erfahren, was von der Großen Mauer auf dem Territorium von Dunhuang noch übrig war: »Die ehemalige Große Mauer ist acht Fuß (2,40 m) hoch, an der Basis sechs Fuß und am oberen Rand vier Fuß breit. Sie befindet sich in einer Entfernung von dreiundsechzig Li nördlich der Stadt. Im Osten reicht sie bis zum SignalturmJieting (Staffelleiter), also einhundertachtzig Li weit, wo man in Guazhou auf das Gebiet des Distrikts Changle vordringt. Im Westen reicht sie bis zum Signalturm Quze (Welliger See) , also 212 Li weit, wo man direkt in die Wüste eintritt, die zum Gebiet Shicheng (Loulan) führt« (Shazhou dufu tujing, Pelliot, chines. Ms. 2005 ). Die gleiche Handschrift nennt unter anderem auch die Namen der auf dem Territorium von Dunhuang gelegenen Poststationen. Es waren damals neunzehn an der Zahl, verteilt auf drei Routen in Richtung Guazhou (Anxi) oder Yiwu (Hami).

Die den Magao-Grotten gegenüberliegenden Berge der drei Gefahren, Sanwei shan, die ihren Namen wegen der drei Gipfelzacken tragen, werden schon seit der Antike, im Buch der Schriften, Shu Jing, erwähnt. In der Grotte 17 (eine Art große Nische), die zur weiträumigen Grotte 16 führt, waren mehr als 30000 Handschriften oder Fragmente sowie mehrere hundert Bilder aus der Zeit zwischen dem 5. und 10 Jahrhundert gestapelt. Vor der zugemauerten Nische stand die Statue des Mönchs Hongpian, der um die Mitte des 9. Jahrhunderts Vorsteher der buddistischen Gemeinde von Dunhuang war. Die Grotte 17 war ursprünglich ihm geweiht, bevor sie als Lager für Handschriften und Malereien benutzt wurde.

 

Wir empfehlen Ihnen dazu: