Böllerschützen

 Böllerschützen Neustadt & Abensberg     aufgezeichnet von Kunst & Seide, Siegenburg

Böllerschießen, auf gut bayerisch auch Prangerschießen, ist eine alte überlieferte Tradition und Brauchtum, bei dem an besonderen Festen und Ereignissen mit speziellen Böllern und Böllerpulver ein lauter Knall erzeugt wird. Diese Schützen nennt man Böllerschützen oder Prangerschützen und sind oft als eigene Vereine organisiert oder als Abteilung in einem Schützenverein oder Brauchtumspflegeverein integriert. Das Auftreten der Schützen in der jeweiligen Tracht des Ortes ist dabei obligatorisch und wichtig für die Brauchtumspflege.

Anlässe zum Böllerschießen

Böller werden im Rahmen der Brauchtumspflege nur an besonderen Festtagen geschossen, z. B. Hochzeiten, Kirchweih, Heiligabend oder Neujahr bzw. am Fest Hl. 3 Könige. Auch bei Schützenfesten, bei Beerdigungen von Kriegsveteranen und langjährigen Vereinsmitgliedern in Schützen- und Veteranenvereinen wird geschossen. Am deutschen Volkstrauertag wird der Brauch des Böllerschießens zumeist in bayerischen Dörfern gepflegt, um somit die Opfer und gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege zu ehren. In vielen Regionen finden zudem jährliche Böllerschützentreffen statt.

Geschichtliches

Die Geschichte des Böllerschießens läßt sich bis in das 14./15. Jahrhundert zurückverfolgen. Das liegt auch daran, dass das Böllerschießen nicht als eigenständiger Brauch betrachtet werden kann, sondern sich mit vielerlei anderen Traditionen entwickelt hat. Die Idee, mit Schwarzpulver Krach zu machen, dürfte so alt sein wie die Entdeckung des Schwarzpulvers selbst. Es finden sich zwei geschichtliche Hinweise auf diesen Brauch:

Einer Sage nach probten die Einwohner von Hornberg  solange ihre Böllerschüsse für die Ankunft des Fürsten (wahrscheinlich Eberhard Ludwig 1677-1733), bis ihnen das Pulver ausging, wodurch sich auch das Sprichwort "Das ging aus wie das Hornberger Schießen..." abgeleitet haben könnte.

In einem Erlass vom 16. Juli 1696 wird das Böllern bei Strafe wegen seiner Gefährlichkeit in der Markgrafschaft Ansbach verboten.

Des weiteren gibt es aus dem 18. Jahrhundert einige Überlieferungen, wonach sich Schützengesellschaften Böllergeräte anfertigen ließen und auf diversen Festivitäten geschossen wurde.

Böller

Bei den Böllergeräten wird zwischen Handböller, Schaftböller, Standböller und Kanone unterschieden. Handböller sind meist sehr aufwendig verziert und unterteilen sich weiter in pistolenartige oder auch gewehrartige Böller, welche dann Schaftböller, Böllerbüchse, Böllerstutzen oder Prangerstutzen genannt werden. Böllerkanonen sind oftmals restaurierte Originale oder originalgetreue Nachbauten von historischen Vorbildern.

Rechtliche Grundlagen

Böllerpulver unterliegt dem Sprengstoffgesetz in Deutschland. Der Schütze  muß  Inhaber einer Erlaubnis nach §27 SprengG sein und es muss für jeden einzelnen Böller eine Beschussbescheinigung vorliegen. (Bayr. Böllerhandbuch) Die Böllergeräte müssen turnusmäßig alle fünf Jahre dem Beschussamt zur Nachprüfung, bzw. bei Standböllern und Böllerkanonen zum Nachbeschuß vorgeführt werden. Böllergeräte zählen nicht als Waffe im Sinne des Waffengesetzes.

Schussfolgen

Es wird dabei nach bestimmten Reihenfolgen geschossen, die der Schützenmeister vorgibt.

Das Lauffeuer wird im gleichen Takt geschossen

Das Schnellfeuer wird wie das Lauffeuer im gleichmäßigem Takt ausgeführt, allerdings erfolgen die Schüsse mit kürzestem Abstand unmittelbar hintereinander.

Der Salutschuss erfolgt gleichzeitig von allen Schützen.

Das "Rad" wird mit zunehmender Geschwindigkeit geschossen, bis die letzten 2-3 schon fast gleichzeitig abdrücken.

Der Doppelschlag, bei dem zwei Schützen direkt nacheinander abfeuern und dann etwas gewartet wird, bis die nächsten beiden Schützen feuern

In der Präzision oder dem Tempo dieser Salven und ihrer Kombinationen zeigt sich die Qualität einer Böllerschützenformation.

Beim Gruppenschießen erfolgen die einzelnen Schritte auf dem Schießplatz, einschließlich der Ladetätigkeiten nur auf Kommando des Schützenmeisters bzw. Schussmeisters.

Das Laden des Böllers oder der Kanone

Die Böller sind in der Regel Vorderlader und werden mit Böllerpulver befüllt (bei Kanonen auch Ladung mittels einer Kartusche). Das Böllerpulver besteht aus Schwarzpulver.

Während bei den Handböllern Kaliber von 10-25mm üblich sind, sind es bei Standböllern und Böllerkanonen Kaliber von bis zu 100mm. Die Pulvermenge pro Schuss beträgt bei solch einem Kaliber bis zu 400g. Bei Schaft- oder Handböllern ca. 10-35g.

Das Böllerpulver wird im Böller mit Hilfe eines Korkens verdämmt. Dieser Korken wird mit Hilfe von Hammer und Ladestock in das Rohr geschlagen - bis es auf dem Pulver aufsitzt. Gezündet wird die Ladung durch sog. Zündhütchen,  welche wiederum durch einen Schlagbolzen oder durch ein Perkussionsschloss (bei Handböllern) gezündet werden. Bei Hinterlader-Kanonen wird das Pulver nicht von vorne in das Rohr eingebracht, sondern in Form einer fertigen Kartusche von hinten geladen.

Die Aktivitäten der Böllerschützen aus Abensberg  &  Neustadt

Böllern an Hl. 3 König in Neustadt, beim Schützenhaus, am 6.1.2011   15.00Uhr  

Eingeladen waren die Schützen aus Pürkwang/Wildenberg

Unter Schußmeister Ingo Kohlschmann wurden 10 Schuss abgefeuert - vom Salut über eine langsame Reihe bis hin zur schnellen Reihe.

Mit einem gemeinsamen Salut wurde das Hl. Drei Königsböllern beendet.

Wie jedes Neujahr fand auch am 1.1.2011 das Neujahrsböllern im Schloßgarten, Abensberg statt. Die Böllerschützen der Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg waren zum Salutschießen angetreten.

 

 

100-jähriges Gründungsfest der Schützengesellschaft Offenstetten -

die kgl. priv. Böllerschützen aus Abensberg waren dabei!

Aufgrund des Gründungsfestes der Schützengesellschaft Offenstetten fanden am Sonntag, 25.07.2010, ein Kirchenzug und ein Festumzug statt. Die Abensberger kgl. priv. Böllerschützen kündigten das mit 3 bzw. 5 Böllerschüssen an!

Aus Sicherheitsgründen wurde auf einem Firmengelände hinter der Festhalle geschossen, um die Festgäste zur Aufstellung der Züge einzuladen! Die kgl. priv. Abensberger Böllerschützen traten dieses Mal nicht mit ihrer traditionellen "Tracht in blau" auf, sondern mit schwarzer Hose und Trachtenjanker...

 

Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg

24. Bayerisches Böllerschützentreffen mit Oberösterreichischem Prangerschützentreffen in Kirchheim am Haslinger Hof  11.7.2010

Leider waren viele Böllerschützen/innen verhindert und so konnten nur 5 Schützen der Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg teilnehmen.

 

Schützenverein Alpenrose e. V. Köfering hatte zum 50-jährigem Vereins-Jubiläum geladen. Im Schloßpark von Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, MdL  wurden 6 Schußreihen abgefeuert. Der Schußmeister lobte das disziplinierte Schießen der Böllerschützen.

Eine Abordnung der Neustädter Böllerschützen war mit fünf "Frau/Mann" beteiligt. http://www.feuerschuetzen-neustadt.de

Böllerschießen anläßlich der

Niederbayerischen Meisterschaft

im Bogenschießen in Sandharlanden

am 6.6.2010 unter Schußmeister Manfred Hoyer.

beide Bilder: Ingo Wüstenhagen

 

Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg

 

 

Kanonenweihe am 5.6.2010 durch Pfarrer Georg Birner

 

 

 

 

 

 

 

 

Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg

Salutschießen für 12 Jahre von der Planung bis zur Fertigstellung....   Die offizielle Eröffnung am 23.4.2010

Zum Wahrzeichen von Abensberg avanciert Kuchlbauers Hundertwasser-Turm. Er ist ein Architekturprojekt des weltbekannten Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Runde Formen, ungewöhnliche Fenster,  natürliche Linien, Zwiebeltürme und Pflanzen, das sind die grundlegenden Elemente Hundertwassers für menschengerechtes Bauen im Einklang mit der Natur. Einzigartig in der Welt ist der Kuchlbauer-Turm - außen sowie innen eine Hommage an das bayerische Bier und seine Brauereien.

Die Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg feuerten unter Schußmeister Manfred Hoyer zwölf Schuß zum Salut.  Die 12 hatte eine Bedeutung:  Zwölf Schuß für 12 Jahre von der Planung zur Fertigstellung.

Der Spargelschuß der königlich privilegierten Schützengesellschaft, Abensberg

Seit 17.4.2010 ist es wieder so weit: der Spargel sprießt endlich. Da trifft es sich gut, dass an diesem Samstag die Abensberger Spargelerzeuger offiziell die Saison 2010 einläuteten. Mit dem ersten Stich hat der Abensberger Schriftsteller E. W. Heine die ersten weißen Stangen aus dem fruchtbaren Boden geholt. Danach trafen sich Erzeuger & Prominenz in der Abensberger Innenstadt zum offiziellen Festakt. Und dazu gehörte die alljährliche Enthüllung des Abensberger Marmorspargels und der sog. "Spargelschuß", den die Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg, gegr. 1548 nach bayr. Tradition mit Ihren Handböllern ausführten. Die Spargelsaison dauert traditionell bis zum Johannitag am 24. Juni. Die Ernte wird beendet, damit die Pflanzen eine ausreichende Regenerationszeit haben, um im folgenden Jahr genügend neue Sprosse bilden zu können.

3 Schuß Salut zur Trauung  von Thorsten Schorsch & Sabine Seidl vor der Neustädter Pfarrkirche. (5.9.2009)

Anschließend gratulierten die Böllerschützen dem frischgebackenen Brautpaar.

 

Gillamoos 2009

das drittgrößte Volksfest in Bayern

Mit Böllern und Kanonen wurde der offizielle Bieranstich nach dem traditionellem Gillamoos-Auszug 4.9.2009 angezeigt.

 

 

Abensberg unter Napoleon  - die Böllerschützen waren wieder dabei!

5. Juli 2009   21:00 Uhr: Salutschießen der Böllerschützen aus dem Gau Hallertau auf der Abensinsel

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schützen der Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg, gegr. 1548 agierten als gastgebender Verein!    

Geschossen wurden 8 Schuss nach den Richtlinien des Bayr. Böllerhandbuchs. Die Aufstellung der Schützen war getrennt nach Handböller und Schaftböller.

Eine Abordnung der Böllerschützen beim 7. Gau-Böllertreffen 2009 in Obersüßbach am 27.6.2009.

Unsere Schützenbrüder aus Abensberg waren ebenfalls dabei!

Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg, gegr. 1548

 

 

 

 

Eine Abordnung der Böllerschützen beim 23. Bayerisches Böllertreffen 2009 in Weimersheim/Weißenburg mit über 1400 Böller- und Kanonenschützen aus 145 Schützenvereinen.  

Geschossen wurde nach den Richtlinien des Bayr. Böllerhandbuchs.

1. Salut

2. schnelles Reihenfeuer

3. schnelles Reihenfeuer von 2 Seiten

4. reihenweiser Salut

5. schnelles Reihenfeuer   und   6. Salut

 

 

Böllerabzeichen zum 23. bayerischen Böllertreffen

 

 

Die Böllerschützen beim Niederbayerischen Böllerschützen-Treffen 2009 in Hauzenberg (bei Passau) am 17.5.2009

 

 

Böllerschießen zu Hl. 3-König am 6.1.2009 - Es ist seit einigen Jahren der Brauch, daß die Böllerschützen mit ihren Böllerschützenfreunden aus Pürkwang/Wildenberg anläßlich des Festes "Hl. Drei König" zu einem gemeinsamen Böllerschießen antreten. Unter Schußmeister Ingo Kohlschmann wurden je Schütze 10 Schuß abgefeuert - vom gemeinsamen Salut bis zur "schnellen und langsamen Reihe".

13 Böllerschützen  aus beiden Vereinen nahmen am Böllerschießen zu Hl. Dreikönig teil - geschossen wurde wieder am verschneiten Aichaer-Berg.

Zeitungsartikel der Mittelbayerischen Zeitung vom 8.1.2009 im PDF-Format 

Gillamoos 2008 - Die Böllerschützen mit ihren Böllerschützenfreunden aus Abensberg beim traditionellen Auszug am 5.9.2008 und anschließendem Böllerschießen anläßlich des offiziellen Bieranstichs.

Mehr zum Gillamoos siehe: www.gillamoos.de   und

Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg, gegr. 1548

Ehrensalut für den scheidenen Pfarrer Josef Höning  an der Pfarrkirche St. Nikolaus am 27.7.2008 nach dem Festgottesdienst.

 

 

 

 

 

 

 

(Bild rechts: Dr. Christian Kahler)

 

Eine Abordnung der Böllerschützen

bei der 825 Jahrfeier der Stadt Böhrigen (Sachsen) am 28. / 29.6.2008

 

 

 

 

Die Böllerschützen  in Puttenhausen

23.6.2008 anläßlich des 100-jährigen Gründungsfest SG Bodomar Puttenhausen

Gauböllertreffen in Oberlauterbach bei Mainburg  am 14.6.2008

 

 

 

 

 

 

Die Böllerschützen beim 22. Bayr. Böllerschützentreffen 8.6.2008 in Neubrunn

Böllern in Irnsing (Nähe Neustadt/Do.) anläßlich der Einweihung einer Gaststätte / Maibaum-Aufstellen -

Mai 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Böllerschützen beim Altbayerischen Böllertreffen in Straubing 20.4.2008

Hl. 3 Königs-Schießen am 6.1.2008 am Aichaer-Berg in Siegenburg

 

 

 

 

 

 

Anschießen des Christkindl-Marktes in Siegenburg am 2. Advents-Samstag 2008  (Aufnahme: Dr. Christian Kahler)

 

 

 

 

 

 

 

Die Böllerschützen beim Gau-Böllerschützentreffen in Ilmmünster Juli 2007

 

Donau-Panorama-Böllerschießen in Erlingshofen 

im Juni 2007 

Am 9. Juni 2007, fand im Rahmen des 125-jährigen Gründungsfestes das "Donautal-Panorama-Böllerschießen" statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Böllern anläßlich der Marktplatz-Einweihung in Marching (Neustadt/Do.) 30.6.2007

 

 

Weitere Links:

Bayerische Böllerschützen                                   Schützengau Hallertau

Böllerschützen                                                         Ausbildung Böllerschütze

Schützenverein Bad Abbach                               Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Abensberg, gegr. 1548

Bayr. Böllerhandbuch                                           Kgl. priv. Feuer- und Zimmerstutzengesellschaft Bad Abbach

Feuerschützengesellschaft  Neustadt/Donau e.V.

Der Autor ist aktiver Böllerschütze bei der kgl. priv. Schützengesellschaft Abensberg und bei den Feuerschützen Neustadt/Donau

Text und Bild geschrieben und entworfen von meinem Vater Wolfgang Bauer